Lumen Tenebris | Konzept

WasserTraumRaumLeben



Abb.: »WassTraumRaumLeben«;
St. Foillan, Aachen



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Installation mit fließendem Wasser vom Altar in den Kirchenraum; und gläsernden Kreuz von Hildegard Zieger in St. Foillan, Aachen zur Nacht der offenen Kirchen 2005

Die Idee

Für eine Nacht wird ein Traum-Raum, dieses Mal mit einem fließenden Bach in der St. Foillan-Kirche installiert, um Menschen durch die Erfahrung des lebendigen Wassers im Kirchenraum, das Licht und die Musik ein angenehmes, vielleicht spirituelles Erlebnis zu eröffnen.

Die St. Foillan-Gemeinde will mit diesem Beitrag zur Nacht der offenen Kirchen den Menschen in der City einen niederschwelligen, unmittelbaren und zeitgemäßen Zugang zu einer Grundaussage unserer christlichen Botschaft bieten:

 Es gibt einen, der dich liebt, wie du bist, Gott. Bei ihm darfst du ganz du selber sein und auf ihn darfst du hoffen. Vor ihm darfst du dich vergessen, alte Wege verlassen und neu beginnen. Er schenkt dir Traum-Räume, in denen du neue Hoffnung und neue Perspektiven für dein Leben entdecken kanns. Er schenkt dir den wahren Frieden für dein Leben, er führt dich zu neuer Lebendigkeit und zur Fülle deiner Möglichkeiten. - Wo wir Menschen das erfahren, da spüren wir, hier berühren sich Himmel und Erde.

Angesprochen durch die ganz unmittelbaren Reize des fließenden Wassers, der Musik und des Lichts und der Texte sollen die Besucher den Raum von St. Foillan als einen solchen Kristallisationspunkt erleben, in dem sich Himmel und Erde berühren können.

Mit Wasser verbinden wir die unterschiedlichsten Assoziationen: es ist der Grundbaustein, der erst das Leben auf unserem Planeten ermöglicht; es stillt unseren Durst und erfrischt uns, es kühlt und heilt. Wasser kann aber auch zerstören und vernichten. Mit dem Symbol Wasser sind in vielen Religionen  Reinigungs- und Initiationsriten verknüpft. In der christlichen Tradition ist es die Taufe, als Zeichen des neuen, gereinigten Lebens in Christus. Gesegnetes Wasser, Weihwasser,  begleitet uns in der katholischen Tradition durch unser ganzes Leben. Wasser ist ein ganz besonderer Stoff: klar und weich, und kann doch hart und kraftvoll sein; es bildet ruhige Gewässer bis hin zum tobenden Meer oder wird zum reißenden Strom. Es gibt kaum einen Stoff, der so vielfältig ist wie das Wasser und der wie das Wasser seine Stimmungen auf uns Menschen überträgt.

 Mit den Medien des Traum-Raums mit dem fließenden Wasser lässt sich die wortlastige christliche (Gottesdienst-)Tradition auf das Experiment einer non-verbalen, unmittelbaren Verkündigung mittels der Primärreize ein. Die Sinne der Besucher, die Fenster ihrer Seele nach außen, wie es Aristoteles formulierte, werden eingeladen, sich zu öffnen für eines der größten Geheimnisse des Menschseins, der Erfahrung der Verbindung zu einem transzendenten Gegenüber, den wir als Christen als den dreifaltigen Gott bekennen. Die Sehnsucht in den Menschen nach dieser Dimension ihres Lebens wach zuhalten, ihnen neue Hoffnung zu geben und für die Annäherung daran Raum zu geben, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche in unserer Zeit.

Die Bibel als Traum-Raum

Traum-Räume sind dem biblischen Denken nicht fremd. Wichtige Teile der Offenbarung in der Heiligen Schrift finden in »Traum-Räumen« statt. Vom Aufbruch des Abraham bis zur Offenbarung des Johannes zeigt Gott dem Träumenden seinen Willen, weist ihm den Weg, schenkt heilsame Bilder, die bis heute in uns lebendig sind. Ob es Jakobs Leiter bis in Himmel ist oder Jesaja, der den Saum von Gottes Herrlichkeit sieht, ob Gott durch einen Engel Maria die Geburt seines Sohnes Jesus verkündet oder Johannes, der in tiefster Bedrängnis das himmlische Jerusalem als befreiende Vision erfährt, alles das sind Geschichten aus den Traum-Räumen, die Gott für uns eröffnet hat und die uns die Bibel überliefert. Die Bilder dieser genannten Geschichten und viele mehr sind schon heute im Bilderschatz der St. Foillan-Kirche zu finden, im Ambo, in den Chorfenstern und auf vielen anderen Ausstattungsstücken.

Die Bibel und das Wasser

Das Wasser als die elementare Lebensgrundlage in den Ländern des Nahen Ostens erhält dementsprechend eine zentrale Rolle in den Heiligen Schriften der Völker des fruchtbaren Halbmondes, so auch in Schriften der Bibel.

Angefangen vom ersten Satz des Schöpfungsberichts, im Mythos von der Sintflut, am Beginn des Exodus bei der Aufspaltung des Roten Meeres, als Zeichen für Gottes Fürsorge am Fels der in der Wüste Wasser für das Volk Israels fließen lässt. Als Zeichen für Fruchtbarkeit und Wohlstand im verheißenen Land, als Metapher in den Psalmen, in der Weisheitsliteratur oder bei den Propheten. An diese Tradition knüpft das Neue Testament an. Wasser als Medium des heiligen Geistes bei der Taufe, als Zeichen von Gottes überströmender Liebe bei der Wandlung von Wasser zu Wein bei der Hochzeit zu Kana. Im Zusammentreffen Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen wird das lebendige Wasser zum Symbol des ewigen Lebens, das uns durch Jesus Christus geschenkt ist, bis hin zur Offenbarung, wo vom Altar des neuen Tempels das Wasser aus dem Tempelbezirk fließt und immer tiefer wird und später, zu Füßen des thronenden Lammes das Wasserquell des Lebens fließt und Gott alle Tränen trocknet.

Gerade diese zuletzt genannte Szene (Off 22,1) wird durch die Kombination vom Licht des Apokalypsefensters und dem vom Wasser überströmten Altar wird im Kirchenraum aktualisiert.

 »Und er zeigte mir einen Strom von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der hervorging aus dem Throne Gottes und des Lammes.« (Off 22,1)

 Die leuchtenden Farben des Fensters werden durch Lichteffekte in den Kirchenraum weitergeführt. Die Botschaft vom Reich Gottes, dessen Zeit schon angebrochen ist, wird hier in den Raum übertragen und so auf eine neue Art und Weise erfahrbar.

Die Traum-Raum-Installation eröffnet den Besuchern parallel zu den Traum-Räumen der Offenbarung einen real begehbaren und erlebbaren Traum-Raum, in dem die Offenbarung in vielen medialen Formen präsent ist. Dieser Effekt wird unterstützt indem Bibelstellen aus dem Wasserkontext auf eine Gaze in den Raum über dem Altar projiziert werden und so die Dimension von Schrift, Wort und Text als Träger und Medium unserer Offenbarung mit einbezieht.

Der Besucher kann sich in diesen Traum-Raum hineinbegeben und durch seine Sinne und Kreativität neue Wahrnehmungen und Erlebnisse erfahren. Durch das Anzünden von Kerzen, die im Bachlauf aufgestellt werden können. kann er sogar interaktiv auf ihn einwirken und mitgestalten. Durch die Impulse des heiligen Ortes mit dem fließenden Wassers, dem  Licht und der Musik, wird die spirituelle Dimension in den "Traum-Reisen" der Besucher zum klingen gebracht. Altes und Quälendes kann neu überdacht werden, neue Hoffung für scheinbar ausweglose Situationen können gefunden werden, die Besucher können vielleicht etwas von der Heilszusage Jesus erfahren:

 »Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben: vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.« (Joh 4,14)

Das Traum-Raum Konzept –
Entspannen und Heilen durch Harmonie

Das Konzept des Traum-Raums basiert auf dem Snoezelen. Das Snoezelen ist eine in den 80er Jahren entwickelten Therapiemethode aus der Arbeit mit behinderten Menschen. Der aus dem Niederländischen stammende Begriff »snoezelen« ist ein Artefakt, das soviel bedeutet wie schnüffeln, dösen, schlafen und riechen. Vereinfacht will das Snoezelen helfen durch Licht, Geräusche, Gerüche, Geschmack und Gefühle in einer angenehmen Atmosphäre den Heilungsprozess der Menschen zu fördern.

Das Traumraumkonzept lehnt sich stark an das des Snoezelen an. Allerdings dient der Traum-Raum nicht der Therapie, sondern der Entspannung und der Findung der inneren Harmonie. Hier werden die primären Reize Sehen, Hören und Riechen in den Vordergrund gestellt. Die Sinneswahrnehmung wird harmonisch abgestimmt. Harmonie bedeutet, dass Lichteffekte, Wasser und Musik für den Besucher eine Gesamtkomposition ergeben. Dadurch entsteht auf einer tiefenpsychologischer Ebene ein Entspannungszustand. Traum-Räume werden heute erfolgreich als Erweiterung des psycho-sozialen Angebots in Altenhilfeeinrichtungen immer mehr eingesetzt.

Für die Installation zur Nacht der offenen Kirchen in St. Foillan bietet die Methode des Traum-Raums ein unmittelbares, niederschwelliges Wahrnehmungserlebnis, das durch die Gesamtkomposition der Sinnesreizung einen harmonischen Zustand im Besucher erzeugt, in dem hier in diesem Kontext die spirituelle Dimension im Leben zum klingen gebracht werden soll. 

Die »Nacht der offenen Kirchen« in Aachen
Der Traum-Raum in St. Foillan wird installiert im Rahmen der zweiten »Nacht der offenen Kirchen« in Aachen. An diesem ökumenischen Projekt  beteiligen sich katholische, evangelische und evangelisch-freikirchliche Gemeinden, sowie die griechisch-orthodoxe Gemeinde in Aachen. Insgesamt werden 39 Kirchenräume in Aachen in der Kernöffnungszeit zwischen 20:00 und 24:00 Uhr ihre Türen öffnen und sich anders präsentieren. Die Programmvielfalt reicht von Konzert, Lesung, Kunstausstellung, Theater, Meditation, Nachtmahl bis zur Disco.

Die Adressaten dieser Nacht sind Menschen, die nur noch selten oder gar nicht mehr die Schwellen eines Kirchenraumes überschreiten. Durch die für Kirchen ungewöhnliche Veranstaltungszeit und das “andere“ Programm soll ihre Neugier geweckt werden. Die Kirchen wollen in dieser Nacht einen Akzent setzten, um den Zeitgenossen ihre Offenheit, Transparenz, Kommunikationsfähigkeit und Attraktivität zu zeigen.

Die Nacht der offenen Kirchen wird von einer umfangreichen Öffentlichkeitskampagne in der Stadt Aachen und im Umland begleitet. Ein eigenes Logo, Presseberichte, Sonderbeilage in der Tagespresse, Citylight-Poster, Plakate, Programmflyer etc. machen die Aktion einer breiten Öffentlichkeit als einen bedeutenden Akzent des kirchlichen Lebens bekannt.

Eine eigene Homepage www.nacht-der-kirchen.de informiert über den aktuellen Stand des Projektes.

Hieraus ergibt sich, dass St. Foillan, als bedeutende Kirche im Citybereich, direkt neben dem Dom gelegen, zu diesem Anlass eine herausragende Stellung einnimmt und einen besonderen Akzent setzen wird.

Der Ort - Innenstadt-Kirche St. Foillan

Die Kirchen stellen im geschäftigen Umfeld einer City Freiräume des Menschseins dar. Sie werden bewusst als »Gotteshaus« der Verzweckung durch den Menschen ausgespart, damit die Menschen dort einen Raum finden, um wieder mit sich selbst und dem Urgrund ihres Seins, mit Gott, in Kontakt zu kommen.

Es sind deshalb heilige Orte in einem ganz aktuellen Sinn. Sie bieten die Möglichkeiten für die Menschen: zur Ruhe zukommen, sich zu konzentrieren, Geborgenheit, Schutz und Segen zu erfahren und haben damit sie eine heilsame Wirkung auf die Menschen.

Die alte Aachener Stadtpfarrkirche St. Foillan hat an dieser Stelle eine über 800-jährige Geschichte als heilsamer Ort für die Menschen der Stadt. Bis heute ist sie ein lebendiger Versammlungsort einer wachsenden Gottesdienstgemeinde aus dem ganzen Stadtgebiet. Darüber hinaus ist sie als »offene« Kirche (werktags 7.00 – 19.30 Uhr, sonntags 9.00 – 20.30 Uhr) den ganzen Tag über von Betern frequentiert, die Kerzen entzünden, vor den Andachtsbildern beten oder im weiten Kirchenschiff ihre Ruhe finden. Neben diesen traditionellen Formen der Erfahrung, dass sich hier am Ort Himmel und Erde berühren können, sucht die St. Foillan-Gemeinde neue zeitgemäße Formen spiritueller Erfahrung in der City, z.B. in der Gebetswand, durch kirchenpädagogische Angebote, Gospelkonzerte, Ausklang-Veranstaltungen zum Weihnachtsmarkt u.a.m.



Sie können das komplette Konzept als pdf-datei lesen oder downloaden.

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